Urlaub garantiert ohne Kinder – die TUI vor Gericht

Die TUI steht vor Gericht. Der Grund: zu laute Kinder. Der Reisekonzern hatte damit geworben, dass die Gäste einer Hotelanlage mindestens 16 Jahre sein sollten. Und dennoch waren da ein paar italienische Großfamilien mit kleinen Kindern…

Aber vielleicht beginne ich die Geschichte von vorne. Vor ein paar Jahren hatte der Reisekonzern erkannt, dass es unter deutschen Erwachsenen einen Trend gibt, Urlaub am liebsten ohne Kinder zu machen. So stimmten in einer Umfrage des Reiseportals HolidayCheck rund 42 Prozent der Teilnehmer der Aussage zu: „Ich bin für sogenannte Erwachsenen-Hotels, weil mich das Kindergeschrei  im Urlaub stört“ Rund 8 Prozent der Teilnehmer meinten: „Ich finde kinderfreie Hotels prinzipiell gut und freue mich selbst auf den ersten Urlaub ohne Kinder“.

Urlaub für „Best Ager“

Also rief die TUI die Hotel-Marke Sensimar ins Leben, die sich bewusst an Menschen über 50 Jahre richtet. In Katalogen werden Hotels dieser Marke damit beworben, dass das Alter der Gäste mindestens 16 Jahre beträgt. Unter diesen Hotels ist auch das Sensimar-Hotel „Port Royal Villas“ in Rhodos. Dennoch waren auch Zimmer an italienische Familien vermietet, deren Kinder sich selbstverständlich nicht daran hielten, still und leise neben dem Pool zu sitzen, sondern sich fröhlich jagten und ihre Späße machen.

Nun hat ein deutsches Ehepaar die TUI auf Erstattung von 80 Prozent der Reisekosten in Höhe von 2906 Euro geklagt. Und bekommt dafür auch noch Beifall von Publikationen wie der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung, die ein „Recht auf Ruhe“ vertritt. Wie der Rechtsstreit ausgeht, ist ungewiss. Klar ist allerdings, dass Deutschland sich wieder einmal den Ruf bestätigt, nicht unbedingt kinderfreundlich zu sein.

Garantiert kein Geschrei

Doch noch ein anderes Problem stellt sich. Die Rechtsanwälte des Ehepaars begründen die Klage damit, dass die TUI ein Zielgruppenprodukt angeboten hat, aber dieses Versprechen nicht gehalten hat. Doch kann man ein Angebot dadurch definieren, dass man eine oder mehrere bestimmte Gruppen von ihm ausschließt? Der Aufschrei, wenn es um Kinder geht, ist nicht groß. Es scheint fast schon allgemeiner Konsens, dass Kindergeschrei überhaupt nicht geht und schlicht unerträglich ist. Kinder soll man also bewusst ausschließen können, mit der schlichten Begründung, dass sie eben Kinder sind? Wie verträgt sich das mit allgemeinen Gleichheitsgrundsätzen? Darf man Menschen aufgrund eines persönlichen Merkmales und nur aus diesem Grund offen ausschließen?

Alles ganz harmlos?

Ich mache mal das Gegenbeispiel: Das garantiert Muslim-freie-Hotel. Die natürliche Abwehrreaktion: Das geht nicht. So funktioniert das nicht. Man kann Muslime doch nicht ausschließen. Das verstößt doch gegen die Menschenrechte. Aber bestimmt gibt es eine große Gruppe von Menschen, die auch hier unterschreiben würden. Die sich durch bärtige Männer und Gebetsteppiche gestört fühlen. Darf man diesen Menschen Raum lassen, gar ihnen entgegenkommen mit dem Hinweis im Hotelprospekt: „Hier spielt Allah keine Rolle.“

Garantiert keine welke Haut

Die Liste von menschlichen Eigenschaften, von denen sich jemand gestört fühlt, könnte endlos fortgesetzt werden, bis wir auch zu einem weiteren Punkt kommen: alte Menschen. Wie wäre das: Urlaub garantiert ohne faltige Haut, ohne welkes Fleisch. Das U40 Hotel, das unter 40-Ressort. Der Slogan „Fühlen Sie sich auch durch Rentner gestört, die Ihnen mit ihrer Pingeligkeit auf die Nerven gehen und den Weg zum Buffet blockieren?“

So funktioniert es nicht

Ich denke, uns allen würde es helfen, ein wenig mehr Toleranz zu zeigen. Und Rücksichtnahme zu üben. Kinder sind ein Teil unserer Welt. Das gilt auch für den Urlaub. [ftx]

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