Das Gründerinterview mit Christian Dau von faceyourbase: „Früh den Techniker mit ins Boot holen“

Der Immobilienmarkt ist hart umkämpft. Dennoch versuchen es immer wieder Startups, den Platzhirschen Marktanteile streitig zu machen. Ein Gespräch mit faceyourbase-Gründer Christian Dau (38) über Massenbesichtigungstermine und warum Regensburg der perfekte Ort ist, eine Immobilienplattform zu testen.

Der faceyourbase-Vorstand: Programmierer Oskar Hasinski und die beiden Gründer Lars Kuhnke und Christian Dau

Der faceyourbase-Vorstand: (v.l.) Programmierer Oskar Hasinski und die beiden Gründer Lars Kuhnke und Christian Dau

Herr Dau, Sie sind im November mit Ihrer Internetplattform faceyourbase online gegangen. Über Ihre Webseite können Vermieter Wohnungen einstellen und potenzielle Mieter können sich mit Profilen auf diese Wohnungen bewerben. Was machen Sie anders als die Platzhirsche, etwa ImmobilienScout24?

Wir vereinfachen den Auswahlprozess für den Vermieter deutlich. Gleichzeitig entfällt die Maklergebühr für den Mieter und Vermieter. Es ist die Antwort auf das Bestellerprinzip. Durch eine Vorauswahl kann der Vermieter den Kreis der Interessenten, der für ihn in Frage kommt, deutlich einschränken. Er sieht eine Seite mit den Bildern der Bewerber, kann die Profile nach Kriterien wie Einkommen oder Beruf sortieren und dann bis zu zehn Menschen zu einem Termin einladen. Massenbesichtigungen sind damit ein Ding der Vergangenheit.

Wie sind Sie auf die Idee gekommen?

Vor einiger Zeit unterhielt ich mich in München mit einer Maklerin. Ich sprach mit ihr über ihr Geschäft. Sie sagte, natürlich könne ein Privatmensch eine Wohnung ins Netz stellen. In München allerdings müsse er damit rechnen, bis zu 600 Anfragen darauf zu erhalten. Anrufe, Emails. Genervt würden viele Vermieter sich dann doch wieder für den Makler entscheiden. Mit unserer Plattform wollen wir den Auswahlprozess deutlich vereinfachen.

Kommen Sie selbst aus der Immobilienbranche?

Nein, ich hatte lange Zeit eine Firma für Sportmarketing, wir haben von 2001 bis 2012 die Smart Beach Tour im Beachvolleyball organisiert. Als wir die Serie an einen Wettbewerber verloren, war es aus meiner Sicht Zeit, etwas Neues auszuprobieren. Ich kam mit meinem Partner Lars Kuhnke ins Gespräch. Er kommt aus der Investmentbranche und meinte, dass es möglich wäre, für so eine Idee Geld von Investoren zu besorgen. Im Februar 2014 sind wir dann mit den Vorbereitungen gestartet.

Was war aus Ihrer Sicht die größte Herausforderung bis jetzt?

So ein Projekt ist extrem von einem sehr guten Programmierer abhängig. Da hatten wir großes Glück, unser Programmierer ist inzwischen auch mit einem Prozentsatz am Unternehmen beteiligt. Das war auch ein Tipp von einem befreundeten Startup: früh den Techniker mit ins Boot zu holen.

Wie kompliziert hat sich für Sie die Kapitalsammlung dargestellt?

Wir sind nicht mehr 23 gewesen bei der Gründung und kamen gerade von der Uni, das war sicherlich ein Vorteil und somit um einiges etwas einfacher durch die Kontakte, die wir in unserem bisherigen Berufsleben gesammelt hatten. Bei Investoren konnten wir einen Betrag im unteren sechsstelligen Bereich einwerben. Dieses Geld braucht man auch, der Markt ist extrem wettbewerbsintensiv. Wir hatten auch über Crowdfunding nachgedacht, aber in solchen Modellen ist man als Gründer erstmal beim Start überschuldet.

Wie machen Sie mit Ihrer Plattform Geld?

Kosten entstehen für den Mieter, wenn er sich zum Beispiel mit seinem vollständigen Profil, dem facestatus bewerben möchte. Das sind pro Bewerbung 0,99 Euro. Es wird noch einmal ein Betrag von 9,99 Euro fällig für das matchen zwischen Mieter und Vermieter, also wenn er dann einen Besichtigungstermin besucht. Wenn er die Wohnung tatsächlich erhält, sind es noch einmal 29,00 Euro für die Löschung der Anzeige.

Das heißt, man muss erst einmal Geld investieren und hat dann immer noch das Risiko, die Wohnung nicht zu bekommen?

Das ist richtig. Aber die Chancen sind natürlich viel besser, wenn man nur auf einen Besichtigungstermin eingeladen ist, auf dem nur 10 Leute sich die Wohnung anschauen – und nicht dreißig. Und man darf nicht vergessen: Es wird für keinen mehr eine Maklergebühr fällig, die schnell tausende Euro kosten kann.

Die Vorauswahl findet vor allem über das Bild und das Profil statt. Ist das ganze Verfahren nicht furchtbar oberflächlich? Ich könnte mir vorstellen, dass Menschen, die wenig fotogen sind, kein gutes Foto haben oder ausländisch aussehen, bei Ihnen schlechte Karten haben.

Wir können den Mietprozess mit seinen Problemen, dass nur ein Ausgewählter die Wohnung bekommt, an sich nicht ändern. Das geht nach Subjektivität der Vermieter, die Entscheidungen können oberflächlich gefällt werden. Das ist aber auch dann der Fall, wenn der Vermieter den Mieter persönlich trifft.

Das Angebot ist seit November online. Wie werden Sie jetzt weiter vorgehen?

Wir haben einen Zielmarkt von 78 Städten mit über 100.000 Einwohnern. Wir werden im November in Regensburg eine Kampagne starten und Werbung über Radio, Fernsehen, Print und auch über Plakatwände machen.

In Regensburg? Wieso nicht gleich München?

Es gibt zwei Vorteile: Zum einen hat Regensburg ein Zehntel der Größe von München. Die Bedingungen ähneln sich. Auch in Regensburg gibt es eine starke Wohnungsnachfrage. Die Ergebnisse dort können wir dann ungefähr mal zehn nehmen und auf München hochrechnen. Zum anderen bedeutet dies auch, dass wir nur einen Zehntel der Werbekosten haben, um den von uns geplanten Impact zu erzielen. In München würde uns das Unterfangen rund 250.000 Euro kosten. In Regensburg eben nur 25.000 Euro. Wenn dieser Test nicht funktionieren sollte, ist man als Startup nicht gleich aus dem Spiel.

Sie führen ein Online-Unternehmen und fokussieren sich trotzdem auf klassische Werbemedien – warum?

Natürlich probieren wir viele Dinge aus, auch online. Aber wenn man an die Reichweite denkt, dann kommt man als Startup irgendwann wahrscheinlich nicht mehr an TV-Werbung vorbei. Es gibt Startups, die versuchen es mit viralen Kampagnen, aber da muss man sagen, dass vielleicht eine von zehn wirklich erfolgreich ist. Das hängt mit vielen Faktoren zusammen.

Wie wollen Sie die ersten Wohnungen auf Ihre Plattform bekommen?

Wir müssen faceyourbase natürlich noch bekannt machen. Wir stehen aber auch mit großen Wohnungsbestandhaltern in Kontakt. Das sind bei einzelnen Anbietern schnell bis zu 40.000 Wohnungen. Für die ist das auch interessant, dass die Maklergebühr entfällt und keine Inseratsgebühren anfallen.

Warum glauben Sie, dass Ihr Konzept funktioniert?

Es gibt in vielen Großstädten einen großen Druck auf dem Wohnungsmarkt. Da wird es für viele Menschen interessant, ihre Chancen, eine Wohnung zu bekommen, mit einem Profil und einer Bewerbung über unsere Plattform zu steigern. Und die Vermieter sparen sich einfach viel Zeit und Nerven. Zudem haben wir den USP, dass keiner Maklercourtage zahlen muss, das ist neu.

Wann soll sich faceyourbase tragen?

Wir hoffen, dass das in ein bis anderthalb Jahren der Fall ist.

Herr Dau, vielen Dank für das Gespräch.

Henning Zander

Über den Autor Henning Zander

Henning Zander ist Wirtschaftsjournalist und externer Datenschutzbeauftragter (TÜV). Er arbeitet u.a. für FOCUS-Business, Legal Tribune Online und das Anwaltsblatt. Er ist Autor des Buches Startup für Einsteiger

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