Unternehmensgründung

Warum man seiner Geschäftsidee Raum zum Atmen lassen sollte

Bei der Gründung sollte man verschiedene Unternehmens-Phasen mitdenken. Der Aufbau von klein zu groß ist naheliegend, wird aber oft nicht bedacht.

Detroit in Lego
1 Stein, 1000 Möglichkeiten: Detroit als Legomodell (Foto: Slambo 42)

Mit einem Freund hatte ich eine Diskussion über ein mögliches Magazinprojekt. Er fragte mich, ob ich denn auch an das dazugehörige Onlinekonzept gedacht hätte. Ich sagte ihm, dass mir da schon was einfallen würde, wenn ich erst einmal den Businessplan für das Magazin erstellt hätte. Und ohnehin gebe es ja kaum realistische Geschäftsmodelle fürs Internet, fügte ich etwas ideenlos hinzu. Schließlich hatte ich ja mein fertiges Produkt im Kopf. Für etwas anderes hatte ich da keine Gedanken übrig. Wahrscheinlich ist das ein Fehler, den viele angehende Gründer machen.

Inzwischen bin ich davon überzeugt, dass es das beste ist, wenn man seiner Geschäftsidee Raum zum atmen lässt. Wer gleich heute megakomplexen Rennwagen fertigen will, um schon morgen in der Formel 1 mitzufahren, war entweder Konstrukteur bei Ferrari oder hat ein unglaubliches, ja schon fast fahrlässiges Vertrauen in seine eigenen Fähigkeiten. Denn zu schnell gerät man in das, was der Gründungsexperte Günter Faltin die Komplexitätsfalle nennt. Das Produkt wächst einem schlicht über den Kopf.

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Ich bin deshalb dafür, schon während der Gründung verschiedene Phasen von Produkt und Organisation mitzudenken. Dabei ist der Aufbau von klein zu groß naheliegend, wird aber oft nicht bei der Gründung bedacht. „Think big“ hört sich meines Erachtens zwar gut an. Aber der Gedanke daran, schon mit dem ersten Schuss, also seiner Investition, einen Treffer landen zu müssen, hat eine sehr beunruhigende Komponente. Derzeit bevorzuge ist also die altmodische Art des Wachstums aus eigener Kraft.

Am Anfang steht das Basisprodukt und die kleinstmögliche Organisationsform (manchmal ist es die Ein-Mann-Gesellschaft, manchmal ist es ein Gründungsteam). Darauf folgen verschiedene Ausbaustufen, die jede für sich ein eigenständiges funktionierendes Produkt darstellen. Ich selbst habe diese Gedanken mal anhand der Beispiele Blog – Onlinemagazin – Printmagazin durchgespielt. Im Blog wird die Kernidee formuliert, im Onlinemagazin die organisatorische und wirtschaftliche Struktur geschaffen, das Printmagazin könnte schließlich das angestrebte Ziel darstellen. Hier kann schon auf eine Kernidee und die vorhandene Organisationsstruktur zurückgegriffen werden.

Im Softwarebereich finde ich das Open Office Paket als Analogie sehr aufschlussreich: Thunderbird ist ein hervorragendes Email-Programm. Zusammen mit dem Add-On Lightning wird aus dem Programm ein integriertes Organisations- und Kommunikationstool. Im Paket mit Programmen wie Calc, Writer oder Impress hat man die wesentliche Basissoftware für den Arbeitsalltag im Büro. Die modulartige Struktur lässt genügend Spielraum für nahezu beliebig viele Erweiterung und Verbesserungen. Ich finde, für ein Unternehmen hört sich eine derartige Konzeption doch auch sehr vielversprechend an. (ftx)

Über den Autor Henning Zander

Henning Zander ist Wirtschaftsjournalist und externer Datenschutzbeauftragter (TÜV). Er arbeitet u.a. für FOCUS-Business, Legal Tribune Online und das Anwaltsblatt. Er ist Autor des Buches Startup für Einsteiger