Kinderkrankengeld für Selbstständige

Wenn das Kind krank wird, bekommen es Selbstständige gleich mit einem Bündel von Problemen zu tun. Die erste Frage: Wie organisiere ich die Betreuung? Die zweite Frage: Wenn ich keine Betreuung finde und ich selbst aufpassen muss – wer verdient dann das Geld?

Kai-Niemeyer/ pixelio.de

Kai-Niemeyer/ pixelio.de

Zumindest Selbstständige in der gesetzlichen Versicherung haben gegenüber ihrer Krankenkasse Anspruch auf Kinderkrankengeld. Das war für mich überraschend, schließlich dachte ich, dass die Erkrankung meines Kindes allein mein Risiko als freier Journalist ist.

Eine Einschränkung gibt es: Das Geld steht den Versicherten ab dem 43. Krankheitstag des Kindes zu. Das hat mich erst entmutigt. Schließlich haben sich bis zu diesem Zeitpunkt die meisten Krankheiten von selbst erledigt.

Auf diversen Webseiten habe ich allerdings den Hinweis gefunden, dass es wohl auch Krankenkassen geben soll, die schon ab dem ersten Tag einspringen. Meine Nachforschungen haben ergeben, dass dies zumindest bei der Barmer GEK der Fall ist. Über weitere Hinweise auf Krankenkassen, die man an dieser Stelle nennen könnte, bin ich natürlich dankbar.

Der Anspruch bezieht sich auf maximal 10 Krankheitstage pro Elternteil und Kind. Er liegt bei 70 Prozent des bisherigen Bruttoentgelts, jedoch höchstens bei 90 Prozent des Nettoentgelts. Informativ ist zum Thema in jedem Fall der Mediafon Ratgeber „Wenn Selbstständige Kinder kriegen“, den ich jedem selbstständigen Vater und jeder selbstständigen Mutter als Einstieg empfehle.

Nachtrag (14.1.2015): Die Barmer GEK hat ihr Angebot eingestellt. Nun gibt es auch bei dieser Krankenkasse nur noch einen Anspruch auf das Kinderkrankengeld ab dem 43. Kalendertag. Die bisherige Rechtslage sei bis jetzt zugunsten der Versicherten ausgelegt worden und das Krankengeld ab dem ersten Tag der ärztlichen Bescheinigung über die Erkrankung des Kindes gezahlt worden, heißt es in einem Schreiben, das ich heute erhalten habe.

Diese Vorgehensweise ist uns ab sofort nicht mehr gestattet.

Es ist natürlich schade, dass diese Leistung gestrichen wird. In einem Telefonat mit der Krankenkasse konnte ich leider nicht herausfinden, warum bis vor Kurzem gezahlt wurde, das aber jetzt plötzlich nicht mehr möglich ist. Welche Krankenkasse bietet noch Kinderkrankengeld ab dem ersten Tag an? Für Hinweise bin ich dankbar.

Nachtrag (27.11.2017): Aufgrund des Hinweises von Frank (s.u. Kommentare) habe ich bei der Barmer GEK angerufen, um mich zu vergewissern, ob sich beim Kinderkrankengeld für Selbstständige etwas geändert hat. Und siehe da: Ich habe telefonisch versichert bekommen, dass Kinderkrankengeld ab dem ersten Tag der Erkrankung des Kindes gezahlt wird. Auf die Frage, weshalb ich denn nicht informiert worden sei, hieß es lapidar, es würde sich halt ständig etwas bei diesen Themen ändern. Was genau, konnte mir die Dame am Telefon auch nicht sage.

Um ehrlich zusein, beim Durchlesen der Rechtsgrundlage habe ich mich eben auch schon gewundert (hätte ich wohl früher tun sollen): Da steht in § 45 SGB V nichts von einem 43. Erkrankungstag. Ich bleibe am Thema und warte derzeit auf eine Stellungnahme vom Bundesversicherungsamt.

Nachtrag (28.11.2017): Soeben habe ich die Stellungnahme des Bundesversicherungsamtes bekommen:

Ausgehend von § 45 Abs. 1 S. 2 SGB V haben hauptberuflich Selbstständige, die eine Wahlerklärung (iSd § 44 Abs.2 Satz 1 Nr. 2 SGB V: Erklärung des Mitglieds gegenüber der Krankenkasse, dass die Mitgliedschaft den Anspruch auf Krankengeld umfassen soll) abgegeben haben, Anspruch auf Krankengeld bei Erkrankung des Kindes. Eine Leistungsgewährung richtet sich also nach den Vorgaben des § 45 SGB V. Ein Anspruch auf Kinderpflegekrankengeld besteht folglich nach Auffassung des Bundesversicherungsamtes auch bei Abgabe einer Wahlerklärung bereits ab dem ersten Tag des Fernbleibens von der Arbeit. Dabei differenziert das Gesetz nicht zwischen hauptberuflich Selbstständigen und solchen Versicherten, die den Regelungen des Künstlersozialversicherungsgesetzes unterliegen.

 

Zu der Thematik finden Sie auch einen Beitrag in unserem Tätigkeitsbericht 2015 auf S. 22 f. unter folgendem Link:
http://www.bundesversicherungsamt.de/fileadmin/redaktion/Presse/epaper/index.html#22

Damit ist klar: Wenn ein Selbstständiger gegenüber der Krankenkasse einen Anspruch auf Krankengeld hat, hat er auch ab dem ersten Tag einen Anspruch auf Kinderkrankengeld. Allerdings bekommen Selbstständige in der KSK das Krankengeld automatisch, andere Selbstständige müssen hierfür eine Wahlerklärung abgeben (kostet etwas mehr).

In den Unterlagen des Bundesversicherungsamtes werden die Gründe dafür noch einmal klar formuliert:

  • Die Voraussetzungen für Kinderkrankengeld finden sich in §45 SGB V – eine Karenzzeit ist nicht vorgesehen.
  • §45 nimmt nicht auf §46 Satz 3 SGB V Bezug.
  • Die Leistung knüpft nicht an die Arbeitsunfähigkeit sondern an die kurzfristige Verhinderung des Versicherten aufgrund eines erkrankten Kindes.
  • Das Kinderkrankengeld soll den Lohn ersetzen, der wegen der Betreuung des Kindes dem Versicherten entgeht.
  • Diesem Zweck würde es zuwiderlaufen, wenn man den Anspruch erst ab dem 43. Tage entstehen ließe, da dies dazu führen würde, dass der Anspruch faktisch nie, bzw. nur in sehr seltenen Einzelfällen bestünde und die Norm ins Leere liefe.

Schon seit 2015 (!) wissen die GKV, dass es falsch ist, Kinderkrankengeld für Selbstständige mit dem Krankengeld zu verknüpfen und erst mit dem 43. Tag der Erkrankung auszuzahlen. Und niemand bei den GKV hat es für wichtig erachtet, darüber zu informieren. Interessant ist nun, ob Selbstständige rückwirkend einen Anspruch darauf haben. Schließlich haben sie auf die Richtigkeit der Informationen ihrer Kassen vertraut – und dementsprechend Anträge auf Kinderkrankengeld nicht eingereicht. Ich bleibe am Ball.

Henning Zander

Über den Autor Henning Zander

Henning Zander ist Wirtschaftsjournalist und arbeitet u.a. für Die Welt und Spiegel Online. Er ist Autor des Buches StartUp für Einsteiger

4 Kommentare

  • Eva Drecker

    Falls die Antwort noch relevant ist: die AOK Rheinland bietet nun Kinderkrankengeld auch für Selbständige (für alle Versicherten mit KTG-Anspruch) an.

  • Frank

    Laut Schreiben des Bundesvericherungsamtes, bei dem ich eine Beschwerde gegen die Ablehnung meines Kinderkrankengeldantrages bei der IKK Classic gemacht hatte, besteht für hauptberuflich selbständig Erwerbstätige, die aufgrund einer Wahlerklärung einen Anspruch auf Krankengeld gem. §44 Abs. 2 Satz 1 Nr. 2 SGB V haben, ein Anspruch auf Krankengeld bei Erkrankung des Kindes gem. §45 SGB V ab dem ersten Tag des Fernbleibens!!!!!!!!!! Meine (mittlerweile ehemalige) Krankenkasse wurde zur nachträglichen Erstattung des Kinderkrankengeldes angewiesen! Ich bin aus allen Wolken gefallen….es hat über zwei Jahre gedauert bis ich endlich das Geld bekommen habe! Leider haben wir als Familie nun in den zurückliegenden zwei Jahren einiges an Stress erleiden müssen um die Krankzeiten der Kinder mit den Anspruchstagen des anderen Elternteiles zu überstehen. Ich hoffe das sich die Nachricht schnell verbreitet und vielen Selbständigen eine klare Richtung gibt. Bei mir kam alles ein wenig zu spät… Aber die nächste „Schnupfen“ kommt bestimmt ;o)

  • Henning Zander Henning Zander

    Vielen Dank für den Hinweis! Ich werde dem weiter nachgehen!

  • Henning Zander Henning Zander

    Lieber Frank, das ist schon ein dolles Ding, noch einmal vielen Dank für den Hinweis. Die rechtliche Einordnung des Bundesversicherungsamtes ist eindeutig: Anspruch schon ab dem 1. Tag der Erkrankung. Ohne den Hinweis hätte ich wahrscheinlich nie nachgehakt (s.o.). Es ist schon ein mittlerer Skandal, dass es die GKV nicht für notwendig erachtet haben, darüber zu informieren.

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