Wenn das Kind krank ist – Kinderkrankengeld für Selbstständige

Wenn das Kind krank ist, haben gerade Selbstständige ein Problem. Denn wer soll das Geld verdienen, wenn der Nachwuchs gepflegt werden muss? Was nur wenige wissen: Auch Selbstständige haben unter bestimmten Bedingungen einen Anspruch auf Kinderkrankengeld.

Kinderkrankengeld für Selbstständige - Illustration: Schnuller

Ich habe zwei Kinder (3 und 6 Jahre) und wie jeder selbstständige Vater oder Mutter habe ich mich gefragt, was passiert, wenn die Kinder krank sind und ich nicht arbeiten kann.

Für diesen Fall gibt es bei den gesetzlichen Krankenkassen Kinderkrankengeld (ist ein Anspruch aus §45 SGB V). Wer über die KSK versichert ist (bin ich), hat den Anspruch sofort, alle anderen Selbstständigen müssen eine Wahlerklärung abgeben.

Im Januar 2015 wurde ich von meiner Krankenversicherung darüber informiert, dass sie die bis dahin „freiwillige“ Leistung nicht mehr erbringen könne. Soweit ich weiß, haben wohl sehr viele Krankenkassen zur selben Zeit einen ähnlichen Brief verschickt.

Geld gebe es erst ab dem 43. Krankheitstag. Die meisten Krankheiten haben sich natürlich bis dahin erledigt. Also ging ich davon aus, dass ich eigentlich gar keinen Anspruch mehr habe und habe mich auch nicht mehr darum gekümmert. Vorher habe ich aber einen kurzen Blog-Artikel verfasst – Tenor: Schade, aber da lässt sich wohl nichts ändern.

Ein Leser hat mich dann im November 2017 darauf hingewiesen, dass das aber alles nicht stimmt.
Ich wurde neugierig und habe beim Bundesversicherungsamt angerufen und netterweise auch eine Stellungnahme bekommen:

Ausgehend von § 45 Abs. 1 S. 2 SGB V haben hauptberuflich Selbstständige, die eine Wahlerklärung (iSd § 44 Abs.2 Satz 1 Nr. 2 SGB V: Erklärung des Mitglieds gegenüber der Krankenkasse, dass die Mitgliedschaft den Anspruch auf Krankengeld umfassen soll) abgegeben haben, Anspruch auf Krankengeld bei Erkrankung des Kindes. Eine Leistungsgewährung richtet sich also nach den Vorgaben des § 45 SGB V. Ein Anspruch auf Kinderpflegekrankengeld besteht folglich nach Auffassung des Bundesversicherungsamtes auch bei Abgabe einer Wahlerklärung bereits ab dem ersten Tag des Fernbleibens von der Arbeit. Dabei differenziert das Gesetz nicht zwischen hauptberuflich Selbstständigen und solchen Versicherten, die den Regelungen des Künstlersozialversicherungsgesetzes unterliegen.

 

Zu der Thematik finden Sie auch einen Beitrag in unserem Tätigkeitsbericht 2015 auf S. 22 f. unter folgendem Link:
https://www.bundesversicherungsamt.de/fileadmin/redaktion/Presse/epaper/index.html#22

Damit ist klar: Wenn ein Selbstständiger gegenüber der Krankenkasse einen Anspruch auf Krankengeld hat, hat er auch ab dem ersten Tag einen Anspruch auf Kinderkrankengeld. Allerdings haben Selbstständige in der KSK den Anspruch automatisch, andere Selbstständige müssen hierfür eine Wahlerklärung abgegeben haben (kostet etwas mehr).

In den Unterlagen des Bundesversicherungsamtes werden die Gründe, weshalb es einen Anspruch ab dem ersten Tag der Erkrankung gibt, noch einmal klar formuliert:

  • Die Voraussetzungen für Kinderkrankengeld finden sich in §45 SGB V – eine Karenzzeit ist da nicht vorgesehen.
  • §45 nimmt nicht auf §46 Satz 3 SGB V Bezug (dort sind die Bedingungen für das Krankengeld geregelt).
  • Die Leistung knüpft nicht an die Arbeitsunfähigkeit sondern an die kurzfristige Verhinderung des Versicherten aufgrund eines erkrankten Kindes.
  • Das Kinderkrankengeld soll den Lohn ersetzen, der wegen der Betreuung des Kindes dem Versicherten entgeht.
  • Diesem Zweck würde es zuwiderlaufen, wenn man den Anspruch erst ab dem 43. Tage entstehen ließe, da dies dazu führen würde, dass der Anspruch faktisch nie, bzw. nur in sehr seltenen Einzelfällen bestünde und die Norm ins Leere liefe.

Das Bundesversicherungsamt hat schon im Jahr 2015 die gesetzlichen Krankenkassen einbestellt und auf eine Einhaltung dieser Regel gepocht. Die Krankenkassen haben allerdings, soweit ich das weiß, nie darüber informiert.

Für Eltern ist der Anspruch interessant: Bei einem Verdienst von etwa 2000 Euro brutto bei zwei Kindern sind das im Jahr bis zu 900 Euro netto finanzielle Unterstützung. Nicht wenig, finde ich.

Ich habe von meiner Versicherung jetzt inzwischen die Zusage, dass ich Geld rückwirkend bis 2015 bekomme. Wir streiten noch über Details und die genaue Höhe, aber grundsätzlich ist es also möglich, noch gegenüber der Versicherung die Ansprüche für die vergangenen Jahre geltend zu machen.

Und ohnehin, wenn das Kind jetzt krank wird. Der nächste Schnupfen kommt bestimmt.

Hier noch einmal die Voraussetzungen für Kinderkrankengeld im Überblick:

  • Der Anspruch auf Kinderkrankengeld besteht für freiwillig gesetzlich Versicherte mit Wahlerklärung und KSK-Mitglieder ab dem ersten Tag der Erkrankung des Kindes.
  • Die Höhe des Anspruchs liegt bei 90 Prozent des Nettoverdienstes, maximal allerdings bei 70 Prozent der Beitragsbemessungsgrenze
  • Pro Kind können bis zu 10 Tage pro Kalenderjahr in Anspruch genommen werden, maximal 25 Tage. Alleinerziehende Versicherte haben einen Anspruch auf 20 Arbeitstage je Kind, insgesamt aber nicht mehr als 50 Arbeitstage je Kalenderjahr.
  • Die Krankenkassen fordern für den Nachweis der Krankheitstage einen Beleg vom Arzt.

Foto: Marco Verch, Flickr, CC

Henning Zander

Über den Autor Henning Zander

Henning Zander ist Wirtschaftsjournalist und arbeitet u.a. für Die Welt und Spiegel Online. Er ist Autor des Buches StartUp für Einsteiger

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