Wenn Sie schon mal einen Fehler gemacht, lesen Sie am besten diesen Text!

Einer meiner Professoren an der Universität sagte einmal, dass in jeder Vorlesung mindestens einmal etwas Falsches gesagt wird – wahrscheinlich ist dies noch untertrieben. Zumindest wenn man die Forschungsergebnisse von Michael Frese betrachtet. Der Psychologe an der Justus-Liebig Universität in Gießen kommt auf zwei bis fünf Fehler die jeder Mensch macht. Pro Stunde.


Auch bei den Tagesthemen kann mal etwas daneben gehen.

Bei Wikipedia findet sich eine Definition für den Fehlerbegriff von Prof. Dr. Martin Weingardt: „Als Fehler bezeichnet ein Subjekt angesichts einer Alternative jene Variante, die von ihm – bezogen auf einen damit korrelierenden Kontext und ein spezifisches Interesse – als so ungünstig beurteilt wird, dass sie unerwünscht erscheint.“ Der Duden definiert wiederum Fehler als „etwas, was falsch ist“, womit sich natürlich die Frage stellt, was man unter falsch zu verstehen hat.  Die Unternehmensberatung JP Consulting und Training wiederum bestimmt einen Fehler als „ein nicht beabsichtigtes, oft auch nicht erwartetes, unerwünschtes Ergebnis einer bewusst oder unbewusst ausgeführten oder unterlassenen Maßnahme“.

Unerwünscht, dieses adjektiv trifft in Deutschland in jedem Fall für Fehler zu.

In vielen deutschen Unternehmen wird eine Null-Fehler-Philosophie verfolgt – es darf einfach nichts schief gehen. Das ist ehrgeizig und lobenswert. Doch diese Haltung setzt auch einen Schluss-Strich: Über Fehler wird nicht geredet.

Die Angst, mit Projekten zu scheitern, ist ein ständiger Begleiter von Mitarbeitern und Führungskräften. Ungern werden Entscheidungen getroffen, die dem althergebrachtem widersprechen. „Weiter so“, heißt die Devise. Was man nicht kennt, wird nicht gewagt.  Doch selbst bei täglichen Routinearbeitern wird es irgendwann einmal einen Zeitpunkt geben, dass irgendetwas nicht klappt. Das ist menschlich. Und deshalb ist ein durchdachtes Fehlermanagement im Betrieb eines der wichtigsten Werkzeuge, die Angst vor Neuerungen zu durchbrechen und das Unternehmen und seine Mitarbeiter täglich ein Stück besser zu machen.

„Wenn Du weißt, dass Du einen Fehler begangen hast und ihn nicht verbesserst, dann war dies wirklich ein Fehler.“

Ein hübsches Konfuzius-Zitat, das zusammen mit einigen anderen chinesischen Weisheiten in einem Artikel der Epoch Times Deutschland zu finden ist. In einem uralten Zitat des Philosophen Lu Jiunyuan, einem Denker der südlichen Song-Dynastie, wird der richtige Umgang mit Fehlern postuliert:

„Erstens sollst Du keine Angst haben, wenn andere Dich auf Fehler hinweisen. Zweitens, um als dann aus Deinen Fehlern zu lernen, sollst Du weder Dich noch andere täuschen. Zuletzt brauchst Du Ausdauer und Willensstärke, um Deine Fehler zu verbessern.“

Was das in der Unternehmenspraxis heißen kann, hat die Onlineplattform www.vorgesetzter.de sehr schön zusammengefasst. Auswirkungen des Fehlers müssen minimiert, das zukünftige Auftreten von ähnlichen Fehlern verhindert werden. Dabei müssen folgende Fragen beantwortet werden:

  • Was ist genau schief gelaufen?
  • Welche Bereiche sind von dem Fehler betroffen?
  • Wer muss umgehend nach Erkennen des Fehlers in Kenntnis gesetzt werden?
  • Welche sofortigen Korrekturmaßnahmen sind erforderlich?

Dies alles soll einem Grundsatz dienen: Fehler dürfen passieren. Jedoch immer nur einmal. Damit ist das Ziel eines  jeden Fehlermanagements, Fehler oder ‚Beinahe-Fehler‘ zu erfassen, sie systematisch zu analysieren und dadurch ein erneutes Auftreten zu vermeiden bzw. die Auswirkungen zu begrenzen. Besonders ausgeprägt ist diese Kultur schon in der Luftfahrt, bei der jeder Beinahe-Zusammenstoß akribisch protokolliert und ausgewertet wird, und bei ärztlichen Behandlungsfehlern.

Es ist sehr nützlich, sich über seinen eigenen Umgang mit Fehlern Gedanken zu machen. Egal, ob man Mitarbeiter, Führungskraft oder Selbstständiger ist. Ich fand es deshalb ganz aufschlussreich, mir den von Michael Frese entworfenen Umfragebogen durchzulesen, und für mich selbst festzustellen, wie ich selbst reagiere, wenn ich einen Fehler gemacht habe. Und wie heißt es immer so schön: „Einsicht ist der erste Weg zur Besserung“. (ftx)

Henning Zander

Über den Autor Henning Zander

Henning Zander ist Wirtschaftsjournalist und externer Datenschutzbeauftragter (TÜV). Er arbeitet u.a. für FOCUS-Business, Legal Tribune Online und das Anwaltsblatt. Er ist Autor des Buches Startup für Einsteiger

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.