Bürotalk

Das Experiment: Eine Woche ohne Handy

Na, ist wohl eher ein unfreiwilliges Experiment gewesen, aber dennoch interessant. Vor einer Woche habe ich mein Handy in einem fremden Büro liegen lassen und es bis heute aus den unterschiedlichsten Gründen nicht geschafft, es wieder abzuholen. Und siehe – ich lebe noch!

Man muss sich einfach darauf besinnen, wie es früher war. Da hat man noch Verabredungen gemacht und sie schließlich auch eingehalten. Ohne sich langwierig immer wieder per Handy abstimmen zu müssen. Uhrzeit und Ort haben gereicht. Und wenn was schiefgegangen ist, gab es immer noch das gute alte Münztelefon.

Wie lange ist das her, dass Sie das letzte Mal mit einem Münztelefon telefoniert haben? Bei mir sind das wohl rund zehn Jahre. Damals gab es noch diese gelben Telefonhäuser. Irgendwann wurden die durch das Telekom-Magenta ersetzt. Später gab es dann nur noch Telefonsäulen. Heute sieht das Ganze etwas anders aus.

Das Münztelefon am Bahnhof Hamburg-Harburg hat einen riesigen Bildschirm mit gefühlter 30-Zoll-Bilddiagonale. Bedienung per Touchscreen. Neben dem Telefon gibt es noch eine Email-, eine Internet- und eine Fax-Funktion. Nur der Schlitz für das Kleingeld, der sieht immer noch aus wie früher. Und trotz High-Tech-Aufrüstung können die Münztelefone eines immer noch nicht: Sie geben kein Wechselgeld raus, wenn man ein 50Cent-Stück eingeworfen hat, aber nur für 30 Cent telefoniert hat. Das Restgeld verfallen zu lassen ist blöd, aber ins Internet für 15 Sekunden wollte ich auch nicht.

Klar ist das grundsätzlich blöd, als freier Journalist kein Handy zu haben. Aber mal ehrlich: Büro- und Öffnungszeiten sind jetzt keine spätsozialistischen Erfindungen. Permanente Erreichbarkeit ist auf der anderen Seite auch kein Alleinstellungsmerkmal mehr. Im Büro kann man mich ja immer noch zu den üblichen Zeiten erreichen.

Aber so ganz stimmt meine kommunikative Enthaltsamkeit ja nicht. Schließlich checke ich mehrmals täglich meinen Email-Account. Und bin damit dann irgendwie doch permanent erreichbar. (ftx)

Über den Autor Henning Zander

Henning Zander ist Wirtschaftsjournalist und externer Datenschutzbeauftragter (TÜV). Er arbeitet u.a. für FOCUS-Business, Legal Tribune Online und das Anwaltsblatt. Er ist Autor des Buches Startup für Einsteiger