Berufseinstieg

Ausbildung in Zeitarbeitsfirmen – Eine Geschichte mit mehreren Wendungen

Zeitarbeit hat einen schlechten Ruf. Ihr wird vorgeworfen, Löhne zu drücken und ein Mittel zu sein, den Kündigungsschutz von Mitarbeitern zu umgehen. Viele tausend Zeitarbeiter werden dauerhaft in großen Unternehmen eingesetzt und arbeiten dort so, als wären sie Kollegen wie alle anderen. Nur nicht zu denselben Konditionen.

Nun bin ich auch eine neue Wendung gestoßen. Ein großes Deutsches Zeitarbeitsunternehmen bietet bei sich Ausbildungsplätze an. Jedoch nicht in der Verwaltung, im kaufmännischen Bereich, wie man erwarten könnte, sondern in technischen Berufen bishin zum Flugzeugmechaniker. Nun ist es allerdings so, dass die Zeitarbeitsfirma gar keine eigenen Flugzeuge oder der Branche entsprechenden Maschinen hat. Geschweigedenn einen für diesen Bereich qualifizierten Ausbilder. Nein, die Ausbildung wird in Partnerunternehmen durchgeführt.

Meine erste Reaktion: Jetzt wird auch noch die Ausbildung ausgelagert. Damit die Firmen sagen können: „Seht her, wir tun was für die Zukunft“. Obwohl keiner der jungen Menschen wirklich zum Betrieb gehört. Doch so einfach ist die Lage nicht. Anstatt mit der Vermittlung billiger Azubis Geld zu verdienen, zahlt die Zeitarbeitsfirma den beteiligten Unternehmen einen gewissen Betrag, mit dem die Unkosten, die bei der Ausbildung entstehen, gedeckt werden.

Der Grund: Bis 2012 habe man in bestimmten Bereichen, etwa der Flugzeugtechnik einen Fachkräftemangel ausgemacht, sagte mir ein Verantwortlicher. Da zu diesem Zeitpunkt vermutlich zu wenig Kräfte auf dem Markt für die Zeitarbeitsfirma zur Verfügung stünden, würde man vorsorglich ausbilden. Alle Azubis haben mit Beginn der Lehre die Zusage, von der Zeitarbeitsfirma unbefristet übernommen zu werden.

Ein Angebot, sehr viel besser, als es dem Ruf der Branche entspricht. (ftx)

Über den Autor Henning Zander

Henning Zander ist Wirtschaftsjournalist und externer Datenschutzbeauftragter (TÜV). Er arbeitet u.a. für FOCUS-Business, Legal Tribune Online und das Anwaltsblatt. Er ist Autor des Buches Startup für Einsteiger