„Du wirst inspiriert werden!“

Man könnte meinen, man würde in einen Kreis der Auserwählten aufgenommen: „Ein Job bei Apple ist wie kein anderer. Du wirst großen Herausforderungen gegenüberstehen. Du wirst inspiriert werden. Und du wirst stolz sein. Denn ganz egal, was du bei uns machst, du bist Teil von etwas ganz Großem.“

So leitet der Apple-Konzern seine Stellenangebote im Internet ein. Auf das Du wird großer Wert gelegt. Aber was heißt das für Bewerber? Sollte man das Du aufgreifen und etwa mit „Lieber Personalleiter, bitte schau Dir doch mal meine Unterlagen an“ antworten? Die Autoren und Berufsberater Jürgen Hesse und Hans-Christian Schrader haben sich dazu ihre Gedanken gemacht.

Zuerst einmal sind Stellenanzeigen auch ein Mittel des Marketings. Employer Branding nennt sich das auch auf Neudeutsch. Viele Konzerne wollen als jung und trendy gelten – und das soll sich auch in den Stellenanzeigen widerspiegeln. Damit wird auch klar, wen das Unternehmen gerne als Mitarbeiter hätte. Jung und dynamisch sollten sie sein. Über 50 sollten sie eher nicht sein. Mit der bewusst jugendlichen Ansprache umgehen die Konzerne in ihren Stellenausschreibungen den rechtlichen Rahmen, nach dem eigentlich Diskriminierungen wegen des Alters nicht erlaubt sind.

Das Du steht also für Jugend, Aufgeschlossenheit und Menschlichkeit. Seht her, wir sind gar kein anonymer Großkonzern, sondern mehr so etwas wie eine große Familie. Und die weitere Botschaft, die dahinter steckt: „Wir sind hier alle Freunde, da geht’s nicht ums Geld.“ Große Sprünge darf man also bei Jobs, die so angepriesen werden, eher nicht erwarten.

Hier sind fünf Tipps von Hesse/Schrader, wie man im Anschreiben auf solche Stellenbeschreibungen eingehen sollte:

  1. Abhängig von der allgemeinen Unternehmenskommunikation ist das Zurück-Duzen eine adäquate Antwort.
  2. Wer sich dabei unwohl fühlt, kann die Du- Ansprache leicht umgehen, indem er die zweite Person Plural, das etwas neutralere „Ihr“ verwendet: „Liebes Team von XY, Ihr bietet …“
  3. Vorsicht bei eher „konservativen“ Unternehmen: Häufig weiß der zukünftige Vorgesetzte, der die Bewerbung liest, nichts von dem locker-flockigen Ton der Anzeige, die die Personal- oder Marketingabteilung getextet hat. Hier lieber das „Sie“ verwenden, um nicht unangenehm aufzufallen.
  4. Ein Vorab-Telefonat kann alle Zweifel darüber ausräumen, welcher Ton im Unternehmen herrscht. Tritt dieser während des Gesprächs nicht zutage, ruhig nachfragen, welche Art der Ansprache gewünscht ist. Das zeugt davon, dass sich der Bewerber Gedanken macht und ihm der Job wichtig ist.
  5. Auch im weiteren Schriftverkehr sowie für das Bewerbungsgespräch gilt: Wird man geduzt, sollte man ungerührt zurückduzen. Denn wer sich zu sehr am „Sie“ festhält, kann schnell als spießig und für die Unternehmenskultur ungeeignet gelten.

 

Henning Zander

Über den Autor Henning Zander

Henning Zander ist Wirtschaftsjournalist und externer Datenschutzbeauftragter (TÜV). Er arbeitet u.a. für FOCUS-Business, Legal Tribune Online und das Anwaltsblatt. Er ist Autor des Buches Startup für Einsteiger

Ein Kommentar

  • Interessanter Artikel, danke für die vielen hilfreichen Informationen. Finde es schade das man ab 50 nur noch wenige Chancen auf de Arbeitsmarkt hat.

    Gruß Sandra

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