Was ist eine Marke? Und brauch ich so etwas als Gründer?

Bevor die Marke entwickelt wird, sollten sich Existenzgründer ein wenig Zeit nehmen, um über Markenidentität und Markenversprechen nachzudenken.

Rockband (Foto: bluefeeling / pixelio.de)

Rockband (Foto: bluefeeling / pixelio.de)

Wer einmal eine Band gegründet hat, kennt dieses Phänomen: Kaum steht der Bandname fest, muss auch schon ein Logo her, ein einprägsames Zeichen mit dem man die Band identifiziert. Dieses Logo, so der Plan, soll dann auf T-Shirts, auf Flyer, auf Plakate, auf die CD, auf die Bandwebseite, auf das Schlagzeug, als Aufkleber auf Gitarren und Verstärker und so weiter. Der Wunsch, die Band zur Marke zu machen, ist übermächtig. Und kann auch für Außenstehende ganz schön auf die Nerven gehen.

Wie für die Band zu Jugendzeiten heißt häufig auch für junge Gründer eine der wichtigsten Fragen: Wie nennen wir uns? Was ist unser Logo? Der Instinkt sagt einem, dass nur, wer ein Zeichen hat, auch auf dem Markt wahrgenommen wird. Doch wie packt man das an, ohne dass es albern wird und ohne dass Rückfälle in alte Schulbandzeiten drohen? Es lohnt sich, einmal in die Markentheorie hineinzuschnuppern, bevor man anfängt, wild Logos auf Karopapier zu kritzeln.

Karsten Kilian, ehemals Consultant bei Simon-Kucher & Partners, bietet mit seinem Markenlexikon eine schöne Einführung in das Thema. Weiterführend sind vor allem die Downloadlinks auf seiner Seite, die nach Themen wie „Markenaufbau“, „Markenwert“ und „Markenrechte“ geordnet sind.

Spannend ist zum Thema der Artikel „Kauf dich glücklich“ aus der Wirtschaftswoche von Christopher Schwarz und Peter Steinkirchner. Gerade junge Unternehmen hätten die Möglichkeit, ganz frisch und unbefangen eine eigene Markenidentität zu schaffen, die über die Markeninszenierung das Gefühl von Authentizität vermittelt. So heißt es im Text:

Der in Karlsruhe lehrende Kunsttheoretiker Wolfgang Ullrich sieht eine „Kultur der Fiktionalisierung“ am Werk, die unseren Umgang mit der Warenwelt bestimmt. Die Kunden erwarten von einem Produkt nicht nur, dass es sein Nutzenversprechen hält. Es soll, sagt Ullrich, vielmehr den Eintritt gewähren in eine „Welt voller Möglichkeiten“, die „Teilhabe an einem sonst verschlossenen Milieu“ oder einer „bisher unbekannten Erfahrung“ verspricht.

Beispielhaft wird etwa das Unternehmen Arqueonautas vorgestellt, dessen Gründungsort zwar ein Düsseldorfer Hinterhof sei, und das dennoch mit der Welt der Taucher und ihrer geheimnisvollen Unterwasserwelt in Verbindung gebracht werde.

Marken erleichtern das Leben. Eine gute Marke beinhaltet die wesentlichen Kaufargumente und ein Werteversprechen. Sie signalisiert: „Hier wird Qualität geboten“. Marken bewegen sich stets zwischen Emotionalität und Rationalität. Dabei kann man einige Fehler machen. Hans H. Bauer, Professor für Marketing an der Uni Mannheim, hat in einer Präsentation „Markenführung durch Schaffung von Markenidentität“, die auch im Internet zugänglich ist, seine wesentlichen Praxistipps veröffentlicht.Vor allem ein Punkt ist mir dabei aufgefallen:

Setze realistische Statusziele: viele Marken können weder Identitäts- oder Mythosstatus erreichen.

Da wären wir dann wieder bei der Band. Groß werden wie die Rolling Stones – nicht jedem kann dies gelingen. Aber man kann es versuchen. (ftx)

Henning Zander

Über den Autor Henning Zander

Henning Zander ist Wirtschaftsjournalist und externer Datenschutzbeauftragter (TÜV). Er arbeitet u.a. für FOCUS-Business, Legal Tribune Online und das Anwaltsblatt. Er ist Autor des Buches Startup für Einsteiger

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