Das Gründerinterview mit Bert Szilagyi von Personology: „Manchmal musst du rennen, bevor du laufen kannst.“

Bert Szilagyi, Gründer von Personology, einem Anbieter von personalisierbaren Werbefilmen für das Internet, im Gespräch mit Neues aus der Aktentasche über den Weg zur eigenen Firma und die Herausforderungen erster Erfolge.

Die Sieger des Businessplan-Wettbewerbs Berlin-Brandenburg 2011: Maximilian Modl (li.), Bert Szilagyi (Foto:promo)

Herr Szilagyi, herzlichen Glückwunsch zum Sieg beim Businessplan-Wettbewerb Berlin-Brandenburg. Die 10.000 Euro Siegprämie kann Ihr StartUp sicherlich gut gebrauchen.

Wir haben uns von dem Geld einen Teil unserer Büroausstattung gekauft. Aber wichtig war für uns, dass der Sieg schon eine Art Proof of Concept ist. Viele Investoren sind dadurch auf uns aufmerksam geworden.

Ihr Unternehmen Personology macht personalisierbare Werbevideos für das Internet. Wie sind Sie auf die Idee gekommen?

Die Idee zu Personology hatte mein Partner Maximilian Modl zusammen mit den Brüdern Yannis und Matti Niebelschütz, die bereits mit der Plattform MyParfuem.com erfolgreich sind. Videos sind schließlich im Internet ein großer Wachstumsmarkt. Zudem plante MyParfuem eine Video-Kampagne für das eigene Portal. Damit war das Unternehmen Seed-Investor und auch gleich der erste Kunde.

Wie sind Sie hinzugestoßen?

Ich wurde angesprochen, um das Gründerteam zu vervollständigen. Max hatte mit einer früheren Gründung ClipIt erste Erfahrungen mit Videos im Internet und einer eigenen Firma gemacht. Ich selbst habe in London einen Wirtschaftsmaster absolviert. Max ist gerade 22 Jahre alt geworden und studiert noch, ich bin mit 27 Jahren etwas älter. Meine Aufgabe war es in der Anfangsphase zuerst den Businessplan zu schreiben.

Woher kannten sie ihren heutigen Geschäftspartner und Teilhaber?

Gar nicht. Der Kontakt lief über die Niebelschütz-Brüder. Wir haben uns erst in Berlin bei einem gemeinsamen Probearbeiten kennengelernt.

Und so etwas funktioniert?

Das hat so gut gepasst, dass wir wussten, dass wir uns gut ergänzen und das zusammen schaffen.

Sie haben zuerst für MyParfuem ein Video gedreht. Ihr zweiter Kunde war gleich Vodafone mit einer großen Internet-Werbekampagne. Für eine Neugründung ist es ungewöhnlich, gleich so hoch einzusteigen. Wie kam es dazu?

Wir wurden von der Werbeagentur angesprochen. Die muss wohl über unsere Webseite auf uns gestoßen sein. Sie tat sehr geheimnisvoll. Wir mussten einen NDA-Vertrag (Non Disclosure Agreement) unterschreiben und Geheimhaltung zusichern. Danach kam raus, dass der Kunde Vodafone ist.

Wie ist das, als kleiner Zweimann-Betrieb gleich einen solchen Auftrag zu bekommen?

Wir sind sehr an unsere Grenzen gegangen, besonders Max, der zusammen mit unserem Programmierer für die technische Umsetzung verantwortlich war. Max war ja inzwischen gar nicht mehr in Berlin. Er war bei Jung von Matt und machte ein Praktikum, ich war in München und hatte inzwischen einen Job bei BMW – und unser Programmierer saß in Berlin.

Wie sind Sie mit der Situation umgegangen?

Max und ich haben täglich geskypt. Ansonsten hat Max wohl rund 50 Emails pro Tag verschickt, um das Projekt zu koordinieren. Absprachen mit der Werbeagentur, mit Vodafone, mit dem Programmierer, mit mir. Änderungen wollte der Auftraggeber selbstverständlich unmittelbar umgesetzt sehen. Das war alles nicht einfach. Aber wie Max manchmal sagt: Manchmal musst du rennen, bevor du laufen kannst. Man wächst mit seinen Aufgaben.

Nach dem guten Start – wie wird es nun mit ihrer Firma weitergehen?

Ich habe mein Praktikum bei BMW in München abgeschlossen und bin wieder nach Berlin gezogen, um mich voll auf das Projekt zu konzentrieren. Im Augenblick muss ich hier noch nebenbei arbeiten, während wir unsere Firma aufbauen. Max schreibt an seiner Bachelorarbeit. Ab 2012 soll uns das Unternehmen dann voll finanzieren. Im Augenblick arbeiten wir schon an einem zweiten Produkt.

Worum handelt es sich dabei?

Es geht um Embedded Video Advertising, kurz EVA. Es ist eine Technik, die es erlaubt, in bestimmten Bereichen innerhalb eines beliebigen Videos Werbeflächen zu platzieren. Wir haben das Projekt schon vorgestellt. Die Resonanz war schon sehr gut.

Ihre erste Idee wurde doch anscheinend sehr gut vom Markt aufgenommen. Warum satteln sie jetzt schon um?

Personalisierte Videos geben wir natürlich nicht auf. Wir wollen allerdings weg von der reinen Projektarbeit. Da ist man schon mit einem Auftrag schnell vollständig ausgelastet, wie wir jetzt gesehen haben. Unser nächstes Produkt wird viel besser skalierbar sein. Das kommt auch bei Investoren besser an.

Herr Szilagyi, vielen Dank für das Gespräch.

Henning Zander

Über den Autor Henning Zander

Henning Zander ist Wirtschaftsjournalist und arbeitet u.a. für Die Welt und Spiegel Online. Er ist Autor des Buches StartUp für Einsteiger

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