Ekkehard D. Schulz und seine „55 Gründe Ingenieur zu werden“

Um den Fachkräftemangel müssen wir uns keine Sorgen mehr machen. Schließlich haben wir Ekkehard D. Schulz, Vorstandsvorsitzender der ThyssenKrupp AG, der „55 Gründe, Ingenieur zu werden“ kennt.  Punkt Nr. 6 wird letztendlich auch den letzten Technikfeind überzeugen: „Ingenieure haben beste Chancen bei Frauen„. Kaum zu glauben, dass dieses Werk ernst gemeint ist. Aus dem Buch:

Ingenieure haben auch einen praktischen Vorteil: Sie bringen ein Grundverständnis für technologische Zusammenhänge mit, was im Alltag oft nützlich ist. Sie können einen Hammer von einer Säge unterscheiden, wissen, wie ein Toaster funktioniert und ersetzen den Handwerker im Haus.


Na, Gott sei Dank. Die Sache mit Hammer und Säge hätte mich auch wirklich beunruhigt.

Ingenieure sind moderne Männer, die sich nicht immer allzu ernst nehmen müssen und ihr Image reflektieren. Studenten der TU Clausthal etwa haben sich für ihren Uni-Aktkalender in erstaunlichen Posen fotografieren lassen, nicht nackte, weibliche Schönheiten mit Feigenblatt stehen im Mittelpunkt, sondern posierende Maschinenbauer im Hydraulik-Aggregat und Bergbau-Studenten mit Helm und Grubenlicht, die die Hüllen fallen ließen.

Jetzt ist auch wirklich jeder überzeugt: Das muss ein super Job sein.

Jeden weiteren Witz verkneife ich mir.

Ingenieure sind, wie Umfragen zeigen, beim weiblichen Geschlecht begehrt: Für über zwei Drittel aller Frauen spielt der Beruf des künftigen Lebensgefährten bei der Partnersuche eine entscheidende Rolle, Ingenieure stehen auf der Wunschliste ganz oben.

Ok, mal Tacheles: Ich denke, dass bei diesem Buch die Zeichen der Zeit schlicht nicht erkannt worden sind. Obwohl sich Ekkehard D. Schulz redlich bemüht hat, einen irgendwie aufgeklärten Eindruck zu erwecken – gestriger kann man nicht für seinen Berufsstand werben. Erinnert mich doch alles an einen Artikel der FAZ mit dem Titel „Er forscht, sie hilft dabei – Männerdomäne Ingenieursberufe“.

Sehr schön wird hier beschrieben, warum es in Deutschland viel zu wenig Frauen in technischen Berufen gibt. Der Text ist zwar schon von 2006, aber die grundsätzlichen Probleme sind immer noch dieselben. Mit dem Buch der 55 Gründe wird man bestimmt nicht mehr Frauen in diesen Berufszweig locken. Das wäre allerdings wichtig, um wirklich ernsthaft gegen den Fachkräftemangel zu wirken. (ftx)

Henning Zander

Über den Autor Henning Zander

Henning Zander ist Wirtschaftsjournalist und externer Datenschutzbeauftragter (TÜV). Er arbeitet u.a. für FOCUS-Business, Legal Tribune Online und das Anwaltsblatt. Er ist Autor des Buches Startup für Einsteiger

Ein Kommentar

  • Max J. Riedl

    Das Buch hat mir viel Freude bereitet. Ich bin sebst Ingenieur (seit 1953) und könnte mir keine bessere Berufswahl vorstellen. Ich arbeite an sehr interessanten Projekten 45 Jahre land in den USA und bin nun im sogenannten Ruhestand, den es für mich aber nicht gibt. Das Hirn eines Ingenieurs wird niemals „in Rente“ gehen. Es gibt noch so vieles zu entdecken… Ich finde es etwas eingeengt wenn im Buch fast nur von den Errungenschaften deutscher Ingenieure die Rede ist. Unter „Was zu tun bleibt“ fühle ich mich verantwortlich mit der von Alan Greenspan beschrieben „creative detruction“ die zur Faulheit der heutigen Generation beigetragen hat. Sarrazin weist auch darauf hin, dass es die Verantwortung einer schlauen Minderheit ist, Faulheit zu unterstützen. Was unser größtes Ziel sein sollte ist unsere Intelligenz für das Erreichen eines Weltfriedens einzusetzen. Wir wissen wie man zum Mond fliegen kann, haben aber noch nicht gelernt miteinander friedlich zu leben. Dazu trägt wohl ein anderer Faktor bei. Die Gier! Wie kann man reich und reicher werden wenn die Aktien der Rüstungsindustrie keine Divideneden ausschüttet nur weil keine Waffen mehr gebraucht würden. Wer liefert denn diese Waffen den Ländern die im Krieg sind aber nicht die Fähigkeit einer Waffenherstellung besitzen?

    Be well and keep on swinging!!!

    Max J. Riedl

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