Wie geht das: Selbstständigmachen ohne Eigenkapital?

Die Frage taucht immer wieder auf: Kann man sich eigentlich selbstständig machen, wenn man kein Eigenkapital hat, oder es eventuell nicht investieren will? Die Antwort: Ja, das geht, Selbstständigmachen ohne Eigenkapital. Aber es gibt einen Haken.

Die erste Frage: Warum will ich mich ohne Eigenkapital selbstständig machen?

Die Idee, sich ohne Eigenkapital selbstständig machen, kann zwei Gründe haben: Erstens hat man das notwendige Geld nicht. Oder, zweitens, man möchte kein Risiko eingehen. Wer den zweiten Grund bejaht, sollte noch einmal in sich gehen. Wer kein Geld einsetzen will, um sich selbstständig zu machen, weil ihm das Risiko zu hoch ist, es zu verlieren, für den ist Selbstständigkeit vielleicht nicht das richtige. Denn Kern der Selbstständigkeit ist es, Risiken einzugehen (wenn auch unternehmerisch kalkuliert). Und wie soll man Investoren überzeugen, wenn man seiner Geschäftsidee schon selbst nicht traut? Aber natürlich ist es (sehr) oft so, dass für die Umsetzung einer Geschäftsidee das Geld nicht reicht. Diejenigen, bei denen das so ist, sollten dann auch weiterlesen.

Die zweite Frage: Wie viel Geld brauche ich?

Die allermeisten Gründer schätzen ihren Finanzbedarf falsch ein – nämlich schlicht zu niedrig. Sie setzen erstens für sich nicht genügend Einkommen an, damit es für sie zum Leben reicht. Der Klassiker: „Wir zahlen uns erst dann ein Gehalt aus, wenn der Laden läuft“ – so können eigentlich nur Studenten reden, die bei ihren Eltern leben, oder in sehr, sehr günstigen Wohngemeinschaften. Zweitens schätzen sie den Projektaufwand zu gering ein. Und vernachlässigen damit eine Maxime, die bei jeder, aber auch wirklich jeder Gründung gilt: Erstens dauert es länger, und zweitens als man denkt. Drittens gibt es in kaum einer Finanzierung die Erwägung, dass die Geschäftsidee erst in der zweiten, dritten oder gar vierten Version funktioniert. Also ehrlich sein: Überlegt, wie viel Geld Ihr braucht. Als Faustregel gilt: Zum Schluss wird es mindestens doppelt so teuer (und wenn nicht, dann könnt ihr Euch gerne auf die Schultern klopfen, in solchen Fällen habe ich gerne Unrecht:-).

Und nun zur Finanzierung

Schaut Euch mal die verschiedenen Finanzierungsformen an, die ich Euch hier zusammegestellt habe. Ganz ehrlich, so ganz ohne Eigenkapital wird das sehr, sehr schwierig. Zudem gibt es ja manchmal die Phantasien, dass Selbstständigmachen ohne Eigenkapital auch „kostenlos“ heißt. Das ist leider eben auch nur eine Phantasie. Denn entweder bezahlt man in Form von Zinsen, oder in Form von Anteilen.

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Bankkredit

Der Bankkredit ist Fremdkapital. Bezahlt wird dafür ein festgelegter Zins. Voraussetzung für die Vergabe ist in der Regel ein Businessplan. Wegen des hohen Ausfallrisikos werden selten Kredite für risikoreiche Innovationen vergeben. Oft ist ein solcher Kredit schwer zu bekommen, weil Gründer keine Sicherheiten bieten können. Dafür gibt es Bürgschaftsbanken wie zum Beispiel die Niedersächsische Bürgschaftsbank (NBB), die gegenüber der Bank für den Gründer einspringen, falls der seinen Kredit nicht mehr bezahlen kann.

Venture Capital

Hierbei handelt es sich um Wagniskapital. Investoren fordern für ihr Investment eine Beteiligung an der Firma. Ziel ist häufig ein gewinnbringender Exit, also der Verkauf des Unternehmens. Investoren können große Firmen sein, aber auch Privatpersonen, die auch Business-Angels genannt werden.

Corporate Venture Capital

In diesem Fall agiert ein etabliertes Unternehmen wie ein Venture-Capital-Investor. Unterstützt werden mit den Mitteln insbesondere Ausgründungen, mit denen Produkte unabhängig vom Mutterhaus am Markt getestet werden können.

Crowdinvesting

Hier wird die Finanzierung über eine Plattform im Internet betrieben. Interessierte Investoren, die auch Privatleute sein können, erwerben Anteile oder verleihen ihr Geld gegen einen festgelegten Zins. Einer der bekannteren Anbieter ist beispielsweise Seedmatch.

High-Tech-Gründerfonds

Der Fonds ist eine Initiative des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie, der KfW Bankengruppe sowie verschiedenen Wirtschaftskonzernen. Bis zu 1 Million Euro Risikokapital werden in der Seed-Phase zur Verfügung gestellt. Weitere 2 Millionen Euro sind als Anschlussfinanzierung möglich. Dafür erwirbt der Fonds 15 Prozent der Gesellschaftsanteile.

Wie der funktioniert, wird hier vorgestellt:

Und jetzt der Haken…

Darüber sollten alle Gründer nachdenken: Geld gibt es nicht einfach so. Es wird immer eine Gegenleistung verlangt. Das können Anteile sein oder Zinsen. Es bedeutet aber noch etwas anderes: Abhängigkeit. Wer sich ausschließlich über Fremdkapital finanziert, begibt sich in genau diese Abhängigkeit: Von Banken, von Förderinstitutionen, von Investoren.

Wer sich darauf einlässt, befindet sich schnell in einer Situation, die er ja eigentlich nicht mehr haben wollte – sich für das, was man tut, rechtfertigen zu müssen. Natürlich: In sehr, sehr vielen Fällen geht es nicht anders. Aber wenn es doch andere Möglichkeiten gibt, dann finde ich, sollte man über diese Möglichkeiten nachdenken. Sich selbstständig ohne Eigenkapital zu machen, ist in jedem Fall kein Selbstzweck.

Henning Zander

Über den Autor Henning Zander

Henning Zander ist Wirtschaftsjournalist und externer Datenschutzbeauftragter (TÜV). Er arbeitet u.a. für FOCUS-Business, Legal Tribune Online und das Anwaltsblatt. Er ist Autor des Buches Startup für Einsteiger

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