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Entschädigung bei Schulschließung durch Corona für Selbstständige

Eltern haben bei Schul- und Kita-Schließungen durch Corona nach dem Infektionsschutzgesetz bis zum 31. Dezember 2020 einen zeitlich befristeten Entschädigungsanspruch. Das gilt auch für Selbstständige und Freiberufler. Auch die Schule meines Sohnes war zu Beginn der Pandemie über Wochen geschlossen. Jetzt habe ich einen Antrag auf Entschädigung gestellt.

Der Entschädigung bezieht sich auf einen Zeitraum von bis zu zehn Wochen pro Elternteil. Bei Alleinerziehenden sind es 20 Wochen. Das gilt aber nur für Kinder bis einschließlich 12 Jahren. Der Entschädigungsanspruch liegt bei 67 Prozent des monatlichen Nettoeinkommens, höchstens bei 2016 Euro im Monat. Bei Arbeitnehmern übernimmt die ersten sechs Wochen der Auszahlung der Arbeitgeber. Selbstständige und Freiberufler müssen sich selbst darum kümmern, dass sie einen Antrag stellen.

In den ersten sechs Wochen muss die Apotheke die Auszahlung übernehmen. Sie bekommt den Betrag allerdings auf Antrag von der zuständigen Behörde erstattet.

Entschädigung über die Antragsseite des Bundes

Auf der Seite Entschädigung nach dem Infektionsschutzgesetz können Arbeitnehmer und Selbstständige online einen Antrag auf Entschädigung stellen. Zu erst muss man auswählen, ob es um die Entschädigung wegen einer Schulschließung geht, oder um einen Antrag wegen einer Quarantäne oder eines Tätigkeitsverbots. Im nächsten Schritt wird differenziert zwischen Selbstständigen und Arbeitnehmern. Die nächste Seite ist dann untergliedert in Angaben zum Antragsteller, Persönliche Angaben, Betreuungserfordernis, Betreuungstage, Entschädigung, Nachweise und Abschluss.

Unterlagen zur Hand haben

Das ganze ist ein Online-Formular und ich muss ehrlich sagen: Es funktioniert nicht besonders gut. Mir ist während des Eintragens jeweils kurz vor Schluss, also kurz bevor ich den Antrag abschicken wollte, zwei Mal (!) das Formular abgeschmiert. Alle eingetragenen Daten waren verloren. Man muss also sehr viel Geduld mitbringen. Insgesamt habe ich für das Ausfüllen etwa 90 Minuten gebraucht. Damit es nicht noch länger dauert, sollten ein paar Unterlagen schon mal bereit gehalten werden. Für Selbstständige sind das vor allem:

  • Ein Einkommensnachweis, am besten über die Steuererklärung aus dem vergangenen Jahr
  • Die Steueridentifikationsnummer des Kindes, um das es geht (!)

Um die Steueridentifikationsnummer meines Sohnes zu finden, musste ich ganz schön suchen. Aber siehe da: Tatsächlich hatten wir die und man muss sagen, bei sowas ist der Staat doch recht schnell bei der Sache. Drei Tage nachdem unser Sohn geboren war, war schon das entsprechende Schreiben an uns rausgegangen.

Daten vorher checken

Im Online-Formular wird nachgefragt, wann die Schule geschlossen war. Und da hatte ich ebenfalls eine Überraschung. Ich dachte, ich könnte schon ab dem 13. März die Entschädigung geltend machen. Das war der erste Tag der Schulschließung. Hatte ich falsch gedacht. Der Zeitraum bis zu den Ferien in Niedersachsen (also 13. bis 27. März) wurde von dem Formular nicht angenommen. Für die Ferien selbst gibt es keine Entschädigung. Das heißt, akzeptiert wurde nur die Zeit vom 15. April (wäre der erste Schultag nach den Ferien gewesen) bis zum 15. Mai (am 18. Mai ging bei uns die Schule wieder los). Wichtig ist, dass man sich selbst darum kümmern muss, ob in den Zeitraum irgendwelche Feiertage fallen. Der 1. Mai zum Beispiel. Ist das der Fall, muss der Zeitraum gesplittet angegeben werden (bis zum Feiertag). Und dann noch vom Feiertag bis zum Schulbeginn. Das hätte man, finde ich, ein bisschen schöner machen können.

Berechnung der Entschädigung

Leider zeigt das Formular, dass hier nicht richtig verstanden wurde, wie Selbstständigkeit funktioniert. Das zeigt sich bei der Berechnung der Entschädigung. Gefordert wird zum Abgleich der Steuerbescheid aus dem letzten Jahr. Da steht aber nur drin, was ich abzüglich meiner Kosten im vergangenen Jahr verdient habe. Das kann ich nicht vergleichen mit meinen Einnahmen aus diesem Jahr. Schließlich gehen ja auch von diesen Einnahmen Kosten ab. Zudem gibt es bei den meisten Selbstständigen und Freiberuflern doch einen Nachzieheffekt: Das Geld für meine Leistung erhalte ich in der Regel nicht im selben Monat, sondern manchmal erst Monate später.

Nun kann es sein, dass das Honorar für Arbeiten im Februar erst im April ausgezahlt worden ist. Das bedeutet dann, dass man vielleicht trotz Corona in dem Monat ausgezeichnet verdient hat. Wer im April und Mai nicht arbeiten kann, spürt das finanziell womöglich erst im Juni oder Juli.

Das ist eben etwas anderes als bei einem Arbeitnehmer, der im April nicht arbeitet und dann auch für April kein Geld bekommt. Ich weiß nicht genau, wie man das am besten in dem Formular darstellt. Ich habe mir so beholfen, dass ich meine durchschnittlichen Einnahmen 2019 mit den erbrachten und in Rechnung gestellten Leistungen im April und Mai verglichen habe. Das ist jetzt mein Weg. Vielleicht gibt es aber auch andere Lösungen.

Antrag geht automatisch an die zuständige Behörde

Ich will ja nicht nur meckern 🙂 Wenn mal alles im Kasten ist, sämtliche Felder ausgefüllt sind und das Programm mal nicht abstürzt, dann ist es ziemlich praktisch. Der Antrag wird direkt an die zuständige Behörde verschickt. Nun warte ich auf deren Antwort.

Über den Autor Henning Zander

Henning Zander ist Wirtschaftsjournalist und externer Datenschutzbeauftragter (TÜV). Er arbeitet u.a. für FOCUS-Business, Legal Tribune Online und das Anwaltsblatt. Er ist Autor des Buches Startup für Einsteiger