Väter, die sich um ihre Kinder kümmern

Und wieder hat eine aktuelle Studie festgestellt, dass sich Väter deutlich weniger um ihre Kinder kümmern, als Mütter. Warum eigentlich? Inzwischen gibt es viele Möglichkeiten für uns Männer, mehr zu tun. Eine Bestandsaufnahme.

„Da lässt mein Chef einfach nicht mit sich reden“, sagt ein Bekannter von mir. Mehr als zwei Monate Elternzeit seien nicht drin. Wenn überhaupt. Im Augenblick sei so viel zu tun in der Firma. Und eigentlich gibt es ja keinen, der ihn derzeit vertreten kann.

Na, denn. Während von Frauen schlicht davon ausgegangen wird, dass sie die volle Elternzeit nutzen, halten sich die allermeisten Männer für unabkömmlich. Eine aktuelle Studie der Zeitschrift Eltern bestätigt das. Befragt wurden rund 1.000 Väter und Stiefväter zwischen 20 und 55 Jahren. Etwa 89 Prozent der Väter arbeiten in Vollzeit, nur vier Prozent in Teilzeit. Und zwei Drittel der Befragten wollen das auch so.

Dabei ginge es auch anders. Natürlich ist die Situation für Festangestellte nicht ganz einfach. Hier müssen erst Chefs überzeugt werden, dass flexible Arbeitszeiten und  zweidrittel Stellen nicht der Untergang des Abendlandes sind, sondern sich in dieser Zeit sogar ganze Abteilungen leiten lassen. Voraussetzung ist dafür ein 100prozentiges Zeitmanagement. Wenn ich mal so ketzerisch sein darf: Man verschickt eben ein lustiges Katzenvideo weniger an die Kollegen und konzentriert sich dafür auf das nächste Paper und die nächste Abgabe.

Schließlich ist auch das Fakt: Viele Väter bleiben nach der Geburt ihres Kindes sogar länger im Büro. Aber nicht unbedingt, weil es so viel zu tun gebe, sondern weil es da, bei den Kumpels aus der Abteilung, eben auch entspannter zugeht, als beim zahnenden Baby und der entnervten Ehefrau.

Gleichzeitig müssten Chefs auch verstehen lernen: Die Organisation von Unternehmens-Fußballturnieren steht bei Familienvätern nicht unbedingt auf Platz 1 der Prioritätenliste. Schon gar nicht nach Feierabend. Und dennoch ist mir dieser Fall von einem Freund bekannt, der für Fußballturniere und ähnliche Aktivitäten schon zu Überstunden verdonnert worden ist. Und das mit einer 9 Monate alten Tochter zuhause.

Wenn es um das Finanzielle geht, da kann das Elterngeld tatsächlich Entlastung bieten. Auch wenn Väter keine 12 Monate am Stück nehmen. Ganz ehrlich: Die aktuellen zwei Monate, die im Durchschnitt genommen werden, fallen in der Firma doch im Regelfall gar nicht auf. Das könnte auch ein längerer Urlaub sein. Einer meiner Freunde (Single, ohne Kind) hat sich vor einiger Zeit drei Monate gegönnt und ist durch Südamerika gereist. Ging alles.

Aber gut, es kann ja Gründe geben, weshalb die Elternzeit zu lang sein kann. Ich habe auch nach 8 Wochen wieder gearbeitet. Aber erst einmal Teilzeit. Die Einnahmeeinbußen die ich dadurch hatte, wurden zum Teil durch das Elterngeld aufgefangen. Denn das geht nämlich auch: Elterngeld in Teilzeit.

Inzwischen ist es klar, dass ich um 15.00 Uhr das Büro verlasse, um meinen Sohn von der Tagesmutter abzuholen. Wenn später noch etwas zu tun ist, muss ich eben noch zuhause etwas nachlesen oder an einem Text schreiben. Aber diese Phasen halten sich eher in Grenzen.

Das war eine Frage das Trainings. Ich habe erst für mich selbst über das Thema „Zeit“ und „Zeitmanagement“ nachgedacht, als ich Vater wurde. Wer denkt, dass er über unbegrenzte zeitliche Reserven verfügt, der lässt sich bei bestimmten Tätigkeiten eben auch tatsächlich Zeit. Inzwischen läuft während meiner Arbeit ein Zeiterfassungsprogramm mit. Dadurch merke ich, wenn ich mich schlicht vertüdel und in einer Recherche verfranse. Es gibt mir harte Kennzahlen darüber, mit welchem Aufwand ich, etwa bei einer Recherche, rechnen kann, und wo das Limit liegt. Das wirkt in beide Richtungen: Ich arbeite effektiver und habe dadurch auch wieder mehr Zeit für meine Familie.

Bestimmt gibt es aber immer noch Väter die jetzt sagen: Ja, kann ja sein, aber eigentlich kann ich ja nichts machen. Bis die Kids Fußball spielen können, sind die bei der Mutter besser aufgehoben.

Dem kann ich nur entgegnen: Nö, stimmt nicht. Hier zur Anregung eine Liste von Aktivitäten, die sich hervorragend für Väter von Kindern unter drei Jahren eignen:

  • Schwimmen gehen
  • In den Zoo gehen
  • Mit der Eisenbahn spielen
  • Mit Lego spielen
  • Fuß-, Hand-, Volley-, Was-auch-immer-mit-Ball
  • Kneten
  • Malen
  • Fahrradfahren (mit Kind im Kindersitz)
  • Musik hören (es gibt bessere Kinderlieder als man denkt, man muss sie nur suchen)
  • Musik machen (Trommel, Xylophon, Gitarre, iPad)
  • Schneemann bauen
  • Schlitten fahren
  • Eis essen gehen
  • Piratenschiff basteln (Aus leeren Paket-Kisten)
  • Fotos schießen (mit der kleinen Digitalkamera)
  • Joggen 🙂

Und hier noch ein kleiner Impuls von Brian Dyson, ehemaliger CEO von Coca Cola

Imagine life as a game in which you are juggling some five balls in the air. You name them – Work, Family, Health, Friends and Spirit and you’re keeping all of these in the Air.

You will soon understand that work is a rubber ball. If you drop it, it will bounce back. But the other four Balls – Family, Health, Friends and Spirit – are made of glass. If you drop one of these; they will be irrevocably scuffed, marked, nicked, damaged or even shattered. They will never be the same. You must understand that and strive for it.”

Dem ist wohl nichts mehr hinzuzufügen. [ftx]

 

Henning Zander

Über den Autor Henning Zander

Henning Zander ist Wirtschaftsjournalist und arbeitet u.a. für Die Welt und Spiegel Online. Er ist Autor des Buches StartUp für Einsteiger

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.